Votum für Wittern und Museum ohne Gegenstimmen

Bad Segeberg. Zwei Themen bewegten die Mitglieder auf der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung am vergangenen Mittwoch: das Projekt Kreis- und Stadtmuseum sowie der schwelende Personalkonflikt. Es gab klare Entscheidungen: die Mitglieder votierten jeweils einstimmig ohne Gegenstimmen.

Kreis- und Stadtmuseum

Genosse Asmus Hintz stellte das Projekt Kreis- und Stadtmuseum vor. Die Mitglieder waren sich einig: Wichtige Teile der Bad Segeberger Lokalgeschichte sind heute ohne professionelle Erforschung und Präsentation. Einen Ort hierfür haben die Initiatoren schon in den Blick genommen: das leerstehende Gebäude der ehemaligen Bäckerei Sorgenfrei in der Lübecker Straße, gelegen im Herzen der Stadt. Das Gebäude, welches früher als Palais Wichmann bekannt war, bietet den Rahmen, einen kulturellen Knotenpunkt zu schaffen – Unterstützung ehrenamtlicher Museen im Kreis, Museumspädagogik, wissenschaftliche Arbeit, Dauer- und Sonderausstellungen sowie wechselnde Kulturveranstaltungen. Erste Kostenschätzungen existieren bereits. Einstimmig begrüßten die Mitglieder „das bürgerschaftlich initiierte Projekt“ und wünschen sich, dass „Pläne, Kostenberechnungen, Trägermodellvarianten und Kostenträgerschaften vor einer Teilhabeentscheidung der Stadt öffentlich diskutiert werden können“.

Heinrich Rantzau

Das Museum böte auch einen Ort, die überregional bedeutsame Geschichte Heinrich Rantzaus endlich präsentieren zu können. Sehr aktiv auf diesem Feld ist die Arbeitsstelle Heinrich Rantzau um Joachim Geppert, Manfred Quaatz und Detlef Dreessen, die derzeit auf der Suche nach Fördermittelgebern für ein Stipendium zur Beschäftigung mit Heinrich Rantzau ist. Dazu beschlossen die Genossen auf ihrer letzten Sitzung im Jahre 2019: „Die SPD Bad Segeberg unterstützt die Forderung nach einem Stipendium zur Finanzierung einer Doktorandenstelle zur Forschung zum Thema Heinrich Rantzau, möglichst unter Federführung der Stadt Bad Segeberg.“

Personaldebatte

Rege debattiert wurde in der zweiten Hälfte des Abends über die Vorwürfe, die gegen den Vorsitzenden in der Öffentlichkeit formuliert und in der Versammlung nicht zurückgenommen wurden. Annähernd 20 Mitglieder beteiligten sich an der Debatte mit differenzierten Beiträgen und klaren Worten. Die Genossen traten ein für einen starken Ortsverein mit einem klaren Profil in kommunalen Fragen. Ungefähr 90 Minuten dauerte die Aussprache, dann wurde die gebildete Meinung auf Wunsch der Versammlung in einem Antrag zusammengefasst. Der Wunsch, die beantragte Entscheidung zu vertagen, fand mit neun Ja-, 24-Nein-Stimmen und einer Enthaltung des Vorsitzenden deutlich keine Mehrheit und war damit abgelehnt. Sodann kam es zur offenen Abstimmung in der Sache: Der Antrag (siehe Anlage) wurde einstimmig (24 Ja-Stimmen) beschlossen bei acht Enthaltungen, darunter der Vorsitzende und die Fraktionsmitglieder. Das bereits vor der Versammlung öffentlich angekündigte und terminierte Vermittlungsgespräch hat am Samstagmittag bei verabredeter Vertraulichkeit stattgefunden. Positionen wurden ausgetauscht, verbindliche Absprachen und ein Folgetermin stehen noch aus.

Wir Parteimitglieder sprechen unserem Vorsitzenden Magnus Wittern für die von ihm geleistete Arbeit ausdrücklich unser vollstes Vertrauen aus und weisen die Forderung der Fraktion nach seinem Rücktritt entschieden zurück. Die via Presse lancierte Forderung der Fraktion nach einem Rücktritt des Ortsvereinsvorsitzenden ist in Form und Inhalt unbegründet und deshalb geeignet, das Ansehen des Ortsvereins und auch des Vorsitzenden zu beschädigen. Wir danken Magnus für seine jugendlich frische, ungekünstelte und gleichwohl kenntnisreiche Vertretung der Partei in der Öffentlichkeit. Er geht neue Wege, strahlt dabei Souveränität aus und gewinnt damit Sympathien und Mitglieder. Innerparteilich wirbt er bei Parteiprominenz von Kiel, über Berlin bis Straßburg positiv für unsere SPD Bad Segeberg, wahrt mit Nachdruck die Rechte des Ortsvereins und setzt die beschlossenen Reformen in der Ortsvereinsarbeit endlich in die Praxis um.


Beschluss der Mitgliederversammlung (24 Ja-Stimmen, 8 Enthaltungen, keine Gegenstimmen)

Der Bad Segeberger Kampf ums Museum

I. Berichterstattung

Gleich zwei Presseberichte beschäftigen sich mit den Entwicklungen rund um unsere museale Landschaft in Bad Segeberg:

„Stadtmuseum Bad Segeberg – Das wird aus dem Dachboden“ – Segeberger Zeitung vom 4. Juli 2019, abrufbar unter https://www.kn-online.de/Lokales/Segeberg/Stadtmuseum-Bad-Segeberg-Segeberg-Das-wird-aus-dem-Dachboden

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„Spendennot: Sorge ums Stadtmuseum – Die Initiativen für eine interessante Museumslandschaft graben sich jetzt gegenseitig das Wasser ab“ – Lübecker Nachrichten vom 4. Juli 2019, abrufbar unter https://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/Segeberger-Buergerhaus-leidet-unter-Spenden-Wettbewerb

II. Gedanken zur Ausgangslage

In der Tat ist die Beschäftigung mit der (Darstellung der) Geschichte in unserer Stadt aktueller denn je. Und zu recht drängen sich Zweifel auf, wie das Thema sachgerecht bearbeitet werden kann und wer in welcher Art und Weise dazu seinen Beitrag leistet.

Auch ist es stets so, dass Konkurrenz und Wettbewerb um die besten Ideen Großartiges zu leisten vermögen.

Mir scheint es jedoch so, als entzünde sich an dieser Stelle ein Konflikt, den es der Sache nach nicht gibt.

Unabhängig davon, dass ein Wettbewerb bei ehrenamtlichen Interessen schon begrifflich schief klingt, liegt das noch ferner, wenn alle Beteiligten das gleiche Ziel verfolgen.

Ausweislich der Internetpräsenz verfolgt der Freundeskreis Segeberger Bürgerhaus von 1541 e.V. das Ziel, die ideelle, finanzielle und materielle Förderung des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus und damit verbundene Aktivitäten zu fördern.

Ausweislich seiner Satzung strebt der Förderverein Segeberger Kreis- und Stadtmuseum e. V. die finanzielle, sachliche und ideelle Unterstützung des Kreises Segeberg und der Stadt Bad Segeberg bei der Errichtung eines Kreis- und Stadtmuseums in einem Gebäude von entsprechender Größe und kulturhistorischer Relevanz in der Kreisstadt Bad Segeberg an.

Gemeinsamer Nenner ist eine Fortentwicklung der Museumsarbeit in unserer Kreisstadt, wobei der Förderverein in Bezug auf die Errichtung eines Kreismuseums in Bezug auf sein Engagement in größeren Maßstäben denkt.

Das beinhaltet logischerweise eine konsequente Einbeziehung des Museums Alt Segeberger Bürgerhaus. Gerade dies findet nicht zuletzt in der Verzahnung von derzeitigem Museum und neuem Projekt durch die Einbindung von Museumsleiter Nils Hinrichsen seinen Ausdruck.

An dieser Stelle ein paar lobende Worte: erst durch das tatkräftige Engagement von Nils Hinrichsen hat sich das bisherige Heimatmuseum zu einem historisch ernstzunehmenden Stadtmuseum entwickelt, nicht zuletzt auch durch die Unterstützung durch einen aktiven Freundeskreis und eine professionell agierende Volkshochschule im Hintergrund.

Gutes persönliches Engagement kann aber auch in der Summe nicht das Problem mangelnder Ausstellungsfläche lösen, welche benötigt wird, um in Bezug auf das Bürgerhaus die „damit verbundenen Aktivitäten„, etwa aktive Bildungsarbeit unter Einbeziehung der Schulen durchführen zu können.

Auch ein Ausbau des Dachbodens schafft hier keine Abhilfe:

  1. Die darüber hinaus gewonnene Idee, eine Gaube in das Dach einzubauen, mag zwar insofern für unschädlich gehalten werden, als sich das Dach sowieso nicht mehr in Originalzustand befindet; das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass wesentliches Ausstellungsstück des Museums gerade das Gebäude selbst ist, das möglichst originalgetreu niedere Wohnkultur vergangener Jahrhunderte darstellen soll und aus dem Grund möglichst originalgetreu erhalten werden muss.
  2. Auch mit einem ausgebauten Dachboden lässt sich das notwendige Anliegen der Barrierefreiheit nicht umsetzen und sorgt mit zielgenauer Sicherheit dafür, dass ein Teil der Besucher sich mit der Segeberger Stadtgeschichte nicht wird auseinandersetzen können.
  3. Neben dem Kostenpunkt von geschätzten 100.000 € erweckt die Idee der Erweiterung der Ausstellungsfläche durch einen Dachbodenausbau den Anschein eines Provisoriums und lässt ein dahinterstehendes Konzept für museale Arbeit vermissen; vielmehr: es werden (v.a. personelle) Ressourcen gebunden, die anderenfalls für eine auch langfristig taugliche, museale Arbeit aufgebracht werden könnten.

Kurzum: Eine solche bauliche Veränderung ist einer zweckgemäßen Förderung des Museums daher sogar abträglich.

III. Lösung und weitere Schritte

Sofern man in den aktuellen Entwicklungen auch in der Sache Probleme erkennt, kann die Lösung nur sein, die bestehende gute Vernetzung und Gesprächsbereitschaft weiter auszubauen.

Ein erster Schritt war die Diskussion nach der Proklamation des Segeberger Manifests im November letzten Jahres, bei der alle mit dem bestehenden Museum und dem neuen Projekt im wesentlichen befassten Akteure Gelegenheit zur Stellungnahme erhielten.

Auch wie sich die handelnden Personen des Freundeskreises noch stärker aktiv in das neue Projekt um Asmus Hintz einbringen können, ist jetzt zu eruieren.

Niemanden bringt es in diesem Kontext nach vorne, das Schreckgespenst einer (in der Sache nicht bestehenden) Konkurrenz an die Wand zu malen.

Das lenkt von der Sache und der eigentlichen Relevanz musealer Arbeit ab. Und dass dies alle Beteiligten bezwecken, sieht man bereits am großartigen Engagement der Aktiven – seit 2014 im Freundeskreis und seit 2019 im Förderverein zur Errichtung eines Kreis- und Stadtmuseums.

Aktuelle Reaktionen zum Spielfeld im Südstadtpark

[Untenstehend unser Antrag in voller Länge zum Nachlesen]

Die aktuellen Entwicklungen rund um die Diskussion zum Multifunktionsfeld im Südstadtpark veranlassen mich, hier ein paar Dinge klarzustellen.

Insbesondere die Berichterstattung in den LN sorgte für Unmut gegenüber meiner Person:
„Ausgerechnet Magnus Wittern, jüngster Vorsitzender der Bad Segeberger SPD aller Zeiten, hatte auch den vollständigen Rückbau ins Spiel gebracht. Der Zahn wurde ihm allerdings schon im Vorwege von Bauamtsleiterin Antje Langethal gezogen. Die ließ im Ausschuss durch die Vorsitzende Kirsten Tödt (SPD) mitteilen, dass der Abbau der Spielfläche 40 000 und der Abriss der gesamten Anlage etwa 280 000 Euro kosten würde.“ (LN v. 06.06.2019).

Diese Darstellung ist so nicht richtig. Keinesfalls habe ich den vollständigen Rückbau ins Gespräch gebracht. Wie sich aus dem SPD-Antrag ergibt, habe ich die Verwaltung gefragt, was ein vollständiger Rückbau kosten würde. Denn in diesem Fall müssten ggfs. Fördermittel aus dem Projekt „Soziale Stadt – Südstadt“ zurückgewährt werden. In der Vorlage für den Sozialausschuss (s.u.) hat die Verwaltung die Option eines alternativen Standortes für das Multifunktionsfeld ins Spiel gebracht. Zahlen, wie viel der damit verbundene Rückbau des Feldes im Südstadtpark kosten würde, waren bis zum Beginn der Ausschussberatungen nicht bekannt.

Link zur Vorlage: http://magnus-wittern.de/wp-content/uploads/2019/06/VL_SozA_04062019.pdf

Ich halte daran fest, dass wir eine Lösung finden müssen, mit der alle Beteiligten leben können – einen Kompromiss. Das bedeutet, dass Interessen miteinander in einen möglichst gerechten Ausgleich gebracht werden müssen.

  1. Das Feld wird super angenommen und rege benutzt. Das ist zunächst ein tolles und lobenswertes Ergebnis. Jeder Platz, der insb. Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden kann, ist ein Schritt in die richtige Richtung.
  2. Das Lärmproblem – auch durch die technischen Umstände der Anlage selbst – besteht. Davon konnte ich mich zusammen mit der SPD-Fraktion bereits im November 2017 überzeugen. Ich empfehle jedem im Zweifel den Kontakt mit den Anwohnern aufzunehmen und einen Termin am Platz zu vereinbaren.
  3. Die Anlage „Multifunktionsfeld“ übersteigt die immissionsschutzrechtlichen Grenzwerte, sodass die Stadt verpflichtet ist, das technisch Bestmögliche zu unternehmen, um die Einhaltung der Grenzwerte sicherzustellen.
  4. Es wurde vorgetragen, dass ein Lärmgutachten aussage, dass der Platz in Bezug auf Lärm für sich genommen unbedenklich sei; der Lärm gehe nur von den Benutzern, durch Rufe, Schreie etc. aus. Das zitierte Lärmschutzgutachten beruht auf Zahlen, die aufgrund eines Lärmprotokolls auf die Zahl der Benutzer der Anlage hochgerechnet wurden. Das Gutachten besagt also nicht, dass kein Lärm von der technischen Konstruktion der Anlage ausginge, sondern hat sich hiermit gar nicht auseinandergesetzt.
  5. Natürlich wurde auch früher schon im der Parkanlage gespielt und Sport gemacht. Ein Ballspiel auf einer grünen Wiese erzeugt aber keine klirrenden, metallenen Geräusche. Das Problem besteht erst durch den Bau der neuen Anlage.
  6. Der Bau eines Zaunes um die Anlage herum sowie eine Altersbeschränkung auf maximal 13 Jahre ist nicht sinnvoll und effektiv und scheidet für uns aus.

Für uns steht im Mittelpunkt, diesen Konflikt konstruktiv aufzulösen. Kinder und Jugendliche brauchen in dieser Stadt Räume zum Spielen. Aber auch Anwohnern darf von Zeit zu Zeit gestattet werden, ruhig in den Schlaf zu kommen oder sich auf der eigenen Terrasse zu unterhalten.

Technische Maßnahmen wie die Dämmung und Schallisolierung sollten ohne Weiteres umsetzbar sein. Daneben haben wir den Vorschlag eingebracht, die Basketballkörbe an dem Platz abzubauen. Denn Basketball stellt durch die Prallgeräusche leider die hauptsächlich belastende Sportart dar.

Natürlich wäre es schöner, diese Körbe dort belassen zu können. Gehen wir aber diesen Schritt, können wir zumindest dafür sorgen, dass andere Spiel- und Sportmöglichkeiten auf der Fläche erhalten bleiben können und ein Ausgleich zwischen den Interessen der Nutzer und der Anwohner stattfindet. Geht man keine Kompromisse ein, sorgt man mit guter Wahrscheinlichkeit dafür, dass der gesamte Platz verschwindet. Ich hoffe daher auf Verständnis für diesen Kompromissvorschlag.

Kurzgefasst: Wir möchten keine Zäune und gerade keinen Rückbau des Platzes. Daher suchen wir nach einem Kompromiss, um so viel wie möglich von diesem Spielfeld zu erhalten.

Denn ganz im Gegenteil setzen wir uns dafür ein, an anderen Stellen in dieser Stadt Sportanlagen attraktiver zu machen. Auch für den Basketballsport. 

Kommen Sie gern auf mich zu; für konstruktive Gespräche stehe ich jederzeit zur Verfügung unter politik@magnus-wittern.de bzw. unter 04551-808794.

Hier findet sich der Text unseres Antrags.

Antrag-Sozialausschuss-zu-TOP-7

Wie kommt Bad Segeberg in die Zukunft?

I. Ausgangslage

Der nachfolgende Text geht auf ein paar Anregungen ein, die mir zugetragen wurden: Ob man sich als junger Mensch auch nach dem Abitur noch in Bad Segeberg sinnvoll engagieren könne, welche Wünsche man als junger Bad Segeberger an die Stadtpolitik habe oder was Bad Segeberg für „die Jugend“ tun könne. Diese Fragen werfen einige spannende Gedanken auf, die ich – auf die eine oder andere Weise – gern beantworten möchte.

II. Wer ist „die Jugend“?

Besonders in der Kommunalpolitik fällt oft die Forderung, man müsse doch mehr für „die Jugend“ tun. In einem Atemzug werden damit oft sehr konkrete Forderungen genannt, etwa die nunmehr seit Jahrzehnten unbeantwortete Frage nach dem Bau einer Skateranlage.

Dabei stellt sich bereits die erste Frage: Wer ist eigentlich „die Jugend“? Sind alle Menschen unter 18 Jahren gemeint? Wohl eher nicht, denn es macht doch einen Unterschied, ob man einen jungen Menschen in der Pubertät oder ein Kleinkind vor sich hat. Selbst wenn man dies gedanklich überwindet, sind doch die Interessen „der Jugend“ nicht entsprechend homogen.

Der einzige gemeinsame Nenner, den man für junge Menschen finden kann, ist, dass sie sich typischerweise in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium befinden. Eine für „die Jugend“ attraktive Stadt ist also eine, in der der Weiterbildung ein hoher Stellenwert eingeräumt wird – sei es durch gute Sachausstattung der Schulen oder attraktive Bedingungen für Betriebe der örtlichen Wirtschaft, die ein vielfältiges Angebot an Ausbildungsplätzen garantieren.

Darüber hinaus, so scheint es mir, verrennt man sich recht schnell, wenn man sich zwingt, einer Maßnahme den Stempel der Förderung der Jugend aufzudrücken. Denn der Anspruch einer Kommune im Rahmen der Daseinsfürsorge muss sich an alle Mitbürger richten. Ein schön gestalteter Platz oder Park dient sowohl jungen als auch älter gewordenen Mitbürgern, ein für alle offenstehender Veranstaltungsraum kann Feste und Feierlichkeiten aller Art beherbergen: den zehnten Geburtstag, die Konfirmation oder die goldene Hochzeit.

III. Herausforderungen für ein Bad Segeberg der Zukunft

Bad Segeberg hat viel Potenzial: Einiges davon wird bereits ausgeschöpft, ein größerer Teil wartet noch darauf, entdeckt zu werden. An dieser Stelle kann und möchte ich nur Problemkreise benennen und erste Ideen skizzieren; gute Ergebnisse lassen sich erst im Dialog erzielen.

1. Mehr Mut zu einem politischen Miteinander

Das geht jedoch nur, wenn sich in Bad Segeberg auch ein politisches Miteinander ergibt und die Bereitschaft besteht, Projekte gemeinsam voranzutreiben.

Parteien, Vereine und Verbände und Unternehmer müssen sich als natürliche Kooperationspartner begreifen, die alle das Ziel haben, mit ihren Ideen diese Stadt ein wenig lebenswerter zu machen. Die Parteien sowie die Wählergemeinschaft in unserer Stadt machen hierbei einen guten Anfang durch eine verstetigte Zusammenarbeit in kommunalen Themen.

Das erfordert zunächst aber einigen Mut, der in dieser Stadt erst aufgebracht werden muss. Erst vor kurzem wurde darüber diskutiert, dass in der Tribüne auch politische Veranstaltungen wieder stattfinden können. Die Debatte hierum war v.a. angstgeprägt – schließlich würden ja auch extremere politische Kräfte eine Bühne erhalten. Unsere Demokratie lebt jedoch von einer anständigen Streitkultur, an der jeder teilhaben kann, solange die Spielregeln unseres Gemeinwesens eingehalten werden. Kurzum: Wer eine Radikalisierung des politischen Umfelds vermeiden möchte, darf nicht die Debattenkultur begrenzen, sondern muss sich dem Austausch stellen.

Um zurück zu kommen zur Förderung „der Jugend“: In der Kommune spielt sich ein wichtiger Teil unseres politischen Lebens ab. Dennoch besteht das Bewusstsein für diesen Politikbereich nur bei einer ausgewählten Gruppe junger Menschen, die sich direkt in Parteien und Vereinen bzw. Interessenvertretungen engagieren. Gerade hier bieten sich tolle Potenziale, etwa Ausschusssitzungen gemeinsam mit Oberstufenklassen vor- und nachzubereiten und so ein Interesse an der Kommunalpolitik zu wecken.

2. Seepromenade

Des Weiteren denke ich konkret an unsere Seepromenade, die in den Abendstunden brachliegt und eher durch Randale und Ruhestörungen für Aufmerksamkeit sorgt. Wir haben hier ein echtes Juwel, was sicher – durch den hervorragenden Blick über unseren See – zu einem Ausflugsziel werden könnte. Man muss sich nur das Bild vorstellen: sanfte Lounge-Musik, stimmungsvolle Beleuchtung, Weinausschank, gemütliche Outdoorsofas, angeregte Unterhaltungen… In diese Richtung lohnt es sich absolut, weiterzudenken. Gleichermaßen wird damit etwaigem Vandalismus und Lärm in den Abendstunden durch soziale Kontrolle gut vorgebeugt.

3. Kulturelle Attraktivierung

Bad Segeberg hat große Potenziale im kulturellen Bereich – im Musikalischen denke ich zuvörderst an „Segeberg singt!“ oder das Projekt „Bad Segeberg kultourt: jeden Tag Kultur“. Das Problem lässt sich jedoch derart umreißen, dass jeder Kultur haben möchte, diese aber möglichst nichts kosten soll. Kurzum: wir brauchen eine öffentliche Kulturförderung, die einerseits den Gästezahlen als Kurort, andererseits der Größe und Lage der Stadt gerecht wird. Auch wenn Bad Segeberg gerade erst die Phase der Konsolidierungshilfen überwunden hat, ist hierbei daran zu denken, die Aufgaben des Kulturmanagements mit den nötigen zeitlichen Ressourcen auszustatten und hierfür eine halbe Stelle einzurichten.

Neben einem zeitlich intensivierten Management erfordert dies Mittel, die etwa für Gagen und Bühnenausstattung verwendet werden können. Dabei wurde in der Runde der Parteien bereits die Idee eines sog. Null-Euro-Scheins angedacht (d.h. eine Banknote mit einem Nominalwert von null Euro mit einem Motiv aus Bad Segeberg, die als Souvenir gegen einen kleinen Betrag abgegeben werden kann), um Finanzmittel zu generieren – quasi die analoge Form des „Crowdfundings“.

 4. Historischen Wert der Stadt erkennen

Im letzten Jahr erreichte die Initiative Zukunft mit einem Wunsch nach der Errichtung eines Kreis- und Stadtmuseums großes öffentliches Interesse an musealer Arbeit.

Auch für mich war dies ein Auslöser, mich stärker mit unserer Stadtgeschichte und unseren Museen zu beschäftigen. Im Mittelpunkt steht natürlich das Alt Segeberger Bürgerhaus (nicht: „Heimatmuseum“, wie ich auch erst erfuhr). In Zusammenarbeit mit der HafenCity-Universität Hamburg wurde ein virtuelles 3D-Modell von Bad Segeberg A.D. 1600 entwickelt, das z. Zt. aus Mangel an personellen und räumlichen Kapazitäten nicht der Öffentlichkeit vorgeführt werden kann. Wiederum findet man hier ein Juwel, welches ungenutzt brach liegt.

Bad Segeberg hat eine bewegte – und spannende! – Geschichte, die viel stärker in den öffentlichen Fokus gehört. Lokale Geschichte muss auch im Schulunterricht auf die Agenda kommen.

V. Schlusswort – Engagement nach dem Abitur in Bad Segeberg?

Ebenso wenig, wie ich mich darauf einlassen möchte, dass es „die eine Jugend“ gäbe, gibt es auch nicht „die Gelegenheit“ oder „das Lebensalter“ für ehrenamtliches Engagement. Wichtig ist nur, dass Menschen aus verschiedenen Altersgruppen mit verschiedenen Interessen zusammenkommen.

Denn: Bad Segeberg hat Potenzial – und das sollten wir nutzen!