Wie kommt Bad Segeberg in die Zukunft?

I. Ausgangslage

Der nachfolgende Text geht auf ein paar Anregungen ein, die mir zugetragen wurden: Ob man sich als junger Mensch auch nach dem Abitur noch in Bad Segeberg sinnvoll engagieren könne, welche Wünsche man als junger Bad Segeberger an die Stadtpolitik habe oder was Bad Segeberg für „die Jugend“ tun könne. Diese Fragen werfen einige spannende Gedanken auf, die ich – auf die eine oder andere Weise – gern beantworten möchte.

II. Wer ist „die Jugend“?

Besonders in der Kommunalpolitik fällt oft die Forderung, man müsse doch mehr für „die Jugend“ tun. In einem Atemzug werden damit oft sehr konkrete Forderungen genannt, etwa die nunmehr seit Jahrzehnten unbeantwortete Frage nach dem Bau einer Skateranlage.

Dabei stellt sich bereits die erste Frage: Wer ist eigentlich „die Jugend“? Sind alle Menschen unter 18 Jahren gemeint? Wohl eher nicht, denn es macht doch einen Unterschied, ob man einen jungen Menschen in der Pubertät oder ein Kleinkind vor sich hat. Selbst wenn man dies gedanklich überwindet, sind doch die Interessen „der Jugend“ nicht entsprechend homogen.

Der einzige gemeinsame Nenner, den man für junge Menschen finden kann, ist, dass sie sich typischerweise in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium befinden. Eine für „die Jugend“ attraktive Stadt ist also eine, in der der Weiterbildung ein hoher Stellenwert eingeräumt wird – sei es durch gute Sachausstattung der Schulen oder attraktive Bedingungen für Betriebe der örtlichen Wirtschaft, die ein vielfältiges Angebot an Ausbildungsplätzen garantieren.

Darüber hinaus, so scheint es mir, verrennt man sich recht schnell, wenn man sich zwingt, einer Maßnahme den Stempel der Förderung der Jugend aufzudrücken. Denn der Anspruch einer Kommune im Rahmen der Daseinsfürsorge muss sich an alle Mitbürger richten. Ein schön gestalteter Platz oder Park dient sowohl jungen als auch älter gewordenen Mitbürgern, ein für alle offenstehender Veranstaltungsraum kann Feste und Feierlichkeiten aller Art beherbergen: den zehnten Geburtstag, die Konfirmation oder die goldene Hochzeit.

III. Herausforderungen für ein Bad Segeberg der Zukunft

Bad Segeberg hat viel Potenzial: Einiges davon wird bereits ausgeschöpft, ein größerer Teil wartet noch darauf, entdeckt zu werden. An dieser Stelle kann und möchte ich nur Problemkreise benennen und erste Ideen skizzieren; gute Ergebnisse lassen sich erst im Dialog erzielen.

1. Mehr Mut zu einem politischen Miteinander

Das geht jedoch nur, wenn sich in Bad Segeberg auch ein politisches Miteinander ergibt und die Bereitschaft besteht, Projekte gemeinsam voranzutreiben.

Parteien, Vereine und Verbände und Unternehmer müssen sich als natürliche Kooperationspartner begreifen, die alle das Ziel haben, mit ihren Ideen diese Stadt ein wenig lebenswerter zu machen. Die Parteien sowie die Wählergemeinschaft in unserer Stadt machen hierbei einen guten Anfang durch eine verstetigte Zusammenarbeit in kommunalen Themen.

Das erfordert zunächst aber einigen Mut, der in dieser Stadt erst aufgebracht werden muss. Erst vor kurzem wurde darüber diskutiert, dass in der Tribüne auch politische Veranstaltungen wieder stattfinden können. Die Debatte hierum war v.a. angstgeprägt – schließlich würden ja auch extremere politische Kräfte eine Bühne erhalten. Unsere Demokratie lebt jedoch von einer anständigen Streitkultur, an der jeder teilhaben kann, solange die Spielregeln unseres Gemeinwesens eingehalten werden. Kurzum: Wer eine Radikalisierung des politischen Umfelds vermeiden möchte, darf nicht die Debattenkultur begrenzen, sondern muss sich dem Austausch stellen.

Um zurück zu kommen zur Förderung „der Jugend“: In der Kommune spielt sich ein wichtiger Teil unseres politischen Lebens ab. Dennoch besteht das Bewusstsein für diesen Politikbereich nur bei einer ausgewählten Gruppe junger Menschen, die sich direkt in Parteien und Vereinen bzw. Interessenvertretungen engagieren. Gerade hier bieten sich tolle Potenziale, etwa Ausschusssitzungen gemeinsam mit Oberstufenklassen vor- und nachzubereiten und so ein Interesse an der Kommunalpolitik zu wecken.

2. Seepromenade

Des Weiteren denke ich konkret an unsere Seepromenade, die in den Abendstunden brachliegt und eher durch Randale und Ruhestörungen für Aufmerksamkeit sorgt. Wir haben hier ein echtes Juwel, was sicher – durch den hervorragenden Blick über unseren See – zu einem Ausflugsziel werden könnte. Man muss sich nur das Bild vorstellen: sanfte Lounge-Musik, stimmungsvolle Beleuchtung, Weinausschank, gemütliche Outdoorsofas, angeregte Unterhaltungen… In diese Richtung lohnt es sich absolut, weiterzudenken. Gleichermaßen wird damit etwaigem Vandalismus und Lärm in den Abendstunden durch soziale Kontrolle gut vorgebeugt.

3. Kulturelle Attraktivierung

Bad Segeberg hat große Potenziale im kulturellen Bereich – im Musikalischen denke ich zuvörderst an „Segeberg singt!“ oder das Projekt „Bad Segeberg kultourt: jeden Tag Kultur“. Das Problem lässt sich jedoch derart umreißen, dass jeder Kultur haben möchte, diese aber möglichst nichts kosten soll. Kurzum: wir brauchen eine öffentliche Kulturförderung, die einerseits den Gästezahlen als Kurort, andererseits der Größe und Lage der Stadt gerecht wird. Auch wenn Bad Segeberg gerade erst die Phase der Konsolidierungshilfen überwunden hat, ist hierbei daran zu denken, die Aufgaben des Kulturmanagements mit den nötigen zeitlichen Ressourcen auszustatten und hierfür eine halbe Stelle einzurichten.

Neben einem zeitlich intensivierten Management erfordert dies Mittel, die etwa für Gagen und Bühnenausstattung verwendet werden können. Dabei wurde in der Runde der Parteien bereits die Idee eines sog. Null-Euro-Scheins angedacht (d.h. eine Banknote mit einem Nominalwert von null Euro mit einem Motiv aus Bad Segeberg, die als Souvenir gegen einen kleinen Betrag abgegeben werden kann), um Finanzmittel zu generieren – quasi die analoge Form des „Crowdfundings“.

 4. Historischen Wert der Stadt erkennen

Im letzten Jahr erreichte die Initiative Zukunft mit einem Wunsch nach der Errichtung eines Kreis- und Stadtmuseums großes öffentliches Interesse an musealer Arbeit.

Auch für mich war dies ein Auslöser, mich stärker mit unserer Stadtgeschichte und unseren Museen zu beschäftigen. Im Mittelpunkt steht natürlich das Alt Segeberger Bürgerhaus (nicht: „Heimatmuseum“, wie ich auch erst erfuhr). In Zusammenarbeit mit der HafenCity-Universität Hamburg wurde ein virtuelles 3D-Modell von Bad Segeberg A.D. 1600 entwickelt, das z. Zt. aus Mangel an personellen und räumlichen Kapazitäten nicht der Öffentlichkeit vorgeführt werden kann. Wiederum findet man hier ein Juwel, welches ungenutzt brach liegt.

Bad Segeberg hat eine bewegte – und spannende! – Geschichte, die viel stärker in den öffentlichen Fokus gehört. Lokale Geschichte muss auch im Schulunterricht auf die Agenda kommen.

V. Schlusswort – Engagement nach dem Abitur in Bad Segeberg?

Ebenso wenig, wie ich mich darauf einlassen möchte, dass es „die eine Jugend“ gäbe, gibt es auch nicht „die Gelegenheit“ oder „das Lebensalter“ für ehrenamtliches Engagement. Wichtig ist nur, dass Menschen aus verschiedenen Altersgruppen mit verschiedenen Interessen zusammenkommen.

Denn: Bad Segeberg hat Potenzial – und das sollten wir nutzen!