Der Bad Segeberger Kampf ums Museum

I. Berichterstattung

Gleich zwei Presseberichte beschäftigen sich mit den Entwicklungen rund um unsere museale Landschaft in Bad Segeberg:

„Stadtmuseum Bad Segeberg – Das wird aus dem Dachboden“ – Segeberger Zeitung vom 4. Juli 2019, abrufbar unter https://www.kn-online.de/Lokales/Segeberg/Stadtmuseum-Bad-Segeberg-Segeberg-Das-wird-aus-dem-Dachboden

s o w i e

„Spendennot: Sorge ums Stadtmuseum – Die Initiativen für eine interessante Museumslandschaft graben sich jetzt gegenseitig das Wasser ab“ – Lübecker Nachrichten vom 4. Juli 2019, abrufbar unter https://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/Segeberger-Buergerhaus-leidet-unter-Spenden-Wettbewerb

II. Gedanken zur Ausgangslage

In der Tat ist die Beschäftigung mit der (Darstellung der) Geschichte in unserer Stadt aktueller denn je. Und zu recht drängen sich Zweifel auf, wie das Thema sachgerecht bearbeitet werden kann und wer in welcher Art und Weise dazu seinen Beitrag leistet.

Auch ist es stets so, dass Konkurrenz und Wettbewerb um die besten Ideen Großartiges zu leisten vermögen.

Mir scheint es jedoch so, als entzünde sich an dieser Stelle ein Konflikt, den es der Sache nach nicht gibt.

Unabhängig davon, dass ein Wettbewerb bei ehrenamtlichen Interessen schon begrifflich schief klingt, liegt das noch ferner, wenn alle Beteiligten das gleiche Ziel verfolgen.

Ausweislich der Internetpräsenz verfolgt der Freundeskreis Segeberger Bürgerhaus von 1541 e.V. das Ziel, die ideelle, finanzielle und materielle Förderung des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus und damit verbundene Aktivitäten zu fördern.

Ausweislich seiner Satzung strebt der Förderverein Segeberger Kreis- und Stadtmuseum e. V. die finanzielle, sachliche und ideelle Unterstützung des Kreises Segeberg und der Stadt Bad Segeberg bei der Errichtung eines Kreis- und Stadtmuseums in einem Gebäude von entsprechender Größe und kulturhistorischer Relevanz in der Kreisstadt Bad Segeberg an.

Gemeinsamer Nenner ist eine Fortentwicklung der Museumsarbeit in unserer Kreisstadt, wobei der Förderverein in Bezug auf die Errichtung eines Kreismuseums in Bezug auf sein Engagement in größeren Maßstäben denkt.

Das beinhaltet logischerweise eine konsequente Einbeziehung des Museums Alt Segeberger Bürgerhaus. Gerade dies findet nicht zuletzt in der Verzahnung von derzeitigem Museum und neuem Projekt durch die Einbindung von Museumsleiter Nils Hinrichsen seinen Ausdruck.

An dieser Stelle ein paar lobende Worte: erst durch das tatkräftige Engagement von Nils Hinrichsen hat sich das bisherige Heimatmuseum zu einem historisch ernstzunehmenden Stadtmuseum entwickelt, nicht zuletzt auch durch die Unterstützung durch einen aktiven Freundeskreis und eine professionell agierende Volkshochschule im Hintergrund.

Gutes persönliches Engagement kann aber auch in der Summe nicht das Problem mangelnder Ausstellungsfläche lösen, welche benötigt wird, um in Bezug auf das Bürgerhaus die „damit verbundenen Aktivitäten„, etwa aktive Bildungsarbeit unter Einbeziehung der Schulen durchführen zu können.

Auch ein Ausbau des Dachbodens schafft hier keine Abhilfe:

  1. Die darüber hinaus gewonnene Idee, eine Gaube in das Dach einzubauen, mag zwar insofern für unschädlich gehalten werden, als sich das Dach sowieso nicht mehr in Originalzustand befindet; das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass wesentliches Ausstellungsstück des Museums gerade das Gebäude selbst ist, das möglichst originalgetreu niedere Wohnkultur vergangener Jahrhunderte darstellen soll und aus dem Grund möglichst originalgetreu erhalten werden muss.
  2. Auch mit einem ausgebauten Dachboden lässt sich das notwendige Anliegen der Barrierefreiheit nicht umsetzen und sorgt mit zielgenauer Sicherheit dafür, dass ein Teil der Besucher sich mit der Segeberger Stadtgeschichte nicht wird auseinandersetzen können.
  3. Neben dem Kostenpunkt von geschätzten 100.000 € erweckt die Idee der Erweiterung der Ausstellungsfläche durch einen Dachbodenausbau den Anschein eines Provisoriums und lässt ein dahinterstehendes Konzept für museale Arbeit vermissen; vielmehr: es werden (v.a. personelle) Ressourcen gebunden, die anderenfalls für eine auch langfristig taugliche, museale Arbeit aufgebracht werden könnten.

Kurzum: Eine solche bauliche Veränderung ist einer zweckgemäßen Förderung des Museums daher sogar abträglich.

III. Lösung und weitere Schritte

Sofern man in den aktuellen Entwicklungen auch in der Sache Probleme erkennt, kann die Lösung nur sein, die bestehende gute Vernetzung und Gesprächsbereitschaft weiter auszubauen.

Ein erster Schritt war die Diskussion nach der Proklamation des Segeberger Manifests im November letzten Jahres, bei der alle mit dem bestehenden Museum und dem neuen Projekt im wesentlichen befassten Akteure Gelegenheit zur Stellungnahme erhielten.

Auch wie sich die handelnden Personen des Freundeskreises noch stärker aktiv in das neue Projekt um Asmus Hintz einbringen können, ist jetzt zu eruieren.

Niemanden bringt es in diesem Kontext nach vorne, das Schreckgespenst einer (in der Sache nicht bestehenden) Konkurrenz an die Wand zu malen.

Das lenkt von der Sache und der eigentlichen Relevanz musealer Arbeit ab. Und dass dies alle Beteiligten bezwecken, sieht man bereits am großartigen Engagement der Aktiven – seit 2014 im Freundeskreis und seit 2019 im Förderverein zur Errichtung eines Kreis- und Stadtmuseums.